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Im staatlichen Tierzuchtgut „Lewitz“ Neustadt-Glewe wurden Mecklenburger Warmblutpferde gezüchtet und sportlich genutzt. Die sportliche Nutzung der Mecklenburger wurde im Freizeitbereich und auf kleinen Wertungsturnieren betrieben. Hier entwickelte sich über viele Jahre der Fahrsport. Über Vierer- und Sechserzüge als Quadrillen vorgestellt, wurden auch große Mehrspänner bei Betriebsturnieren und außerhalb gezeigt.

Zwei Vierspänner fuhren im Turniersport vorne mit und zeigten sich auch international sehr erfolgreich.

Aus einer Idee, für die Enkelkinder kleine Pferde zu kaufen, hat sich die Lewitzscheckenzucht entwickelt.

Dieser Gedanke wurde weiter verfolgt und ausgedehnt, schließlich wurden gescheckte Kleinpferde für die Kinder der Betriebsangehörigen und der Umgebung gekauft.

Ideen, für die Kinder etwas zu tun, waren populär. Die Entscheidung zum Ankauf gescheckter Pferde war gefallen; es mußte etwas Besonderes sein. Die Ersten waren zwei Junghengste, beide Rappschecken Sekt und Salto. Dazu gesellten sich die Scheckstuten Liane, Resi, Rosi, Soligirl und Rekja.

Der Hengst Sekt wurde 1972 unter Vorbehalt gekört. Später folgte dann die Abkörung, weil diese Kleinpferde nicht im Zuchtprogramm der DDR verankert waren.

Die bunten Pferde hatten die Herzen der Kinder, ihrer Eltern und Großeltern erobert. Diese Kleinpferde waren plötzlich ein „Faktor“ im Betrieb, zwar ein kleiner aber ein gewichtiger.

Rolf Wullstein ist es zu verdanken, er hat in aktiver Kleinarbeit mit den Schecken und Kindern sehr viel bewegt und konsequent die betriebliche Zuchtstrategie verwirklicht. Er fand in Manfred Nage, Leiter der Brigade Pferdezucht, einen passionierten Helfer, der jetzt noch aktiver Lewitzscheckenzüchter in Wöbbelin ist und mit Kurt Haushalter in Neu Bleckede zusammenarbeitet.

Mit dem betrieblichen Segen und dem Wunsch der Kinder entwickelte sich ein reges Spiel- und Sportleben der Kinder mit ihren Schecken.

Durch die positive Wirkung dieser kleinen bunten Pferde wurde ein umfassendes Interesse im Betrieb geweckt, und letztlich waren die Schecken ein Werbefaktor für den landwirtschaftlichen Nachwuchs. Viele Lehrlinge fanden ihren Weg zum Landwirt über die Schecken, mit denen sie teilweise spielend begannen.

Aus dieser positiven Erfahrung wurde im staatlichen Tierzuchtgut „Lewitz“ Neustadt-Glewe die Entscheidung getroffen „die Zucht dieser Kinderpferde wird gezielt und planmäßig betrieben“.

In dieser Entscheidung, dem Kinderwunsch mit den Schecken Spiel- und Sporttreiben zu entsprechen, platzte ein Verbot vom 4.10.1971.

Auszug:
„Laut Weisung des Präsidenten der Zentralstelle in Berlin sind Hengste der Kleinpferderassen, die nicht dem Haflinger zuzuordnen sind, nicht mehr zu kören und alle bereits gekörten älteren Hengste dieser Kategorie abzukören.“

Nachdem zweijährige Bemühungen, Gesuche und andere Aktivitäten auf dem Dienstweg ohne Erfolg blieben, suchten die Lewitzer und ihre Freunde nach anderen Möglichkeiten.

Die Kinder hatten ihre Entscheidung zu ihren bunten Pferden längst getroffen, damit war der Weg vorgezeichnet, diese Kleinpferde mußten erhalten werden und die Zucht gezielt erfolgen. Prof Dr. Dr. hc Schwark, der international bekannte und geachtete Pferde- und Rinderfachmann, war es schließlich, der als „Retter“ dieser Pferde wirksam wurde.

Wissenschaftliche Leistungsprüfungen waren die „Wiedergeburt“. Prof. Dr. Dr. hc Schwark nannte auch erstmals die heutige Bezeichnung „Lewitzer“, getreu der Geburtsstätte, einem 15.000 ha großen Landschafts- und Naturschutzgebiet in Mecklenburg, wo eine intensive Grünlandwirtschaft sowie Rinderzucht und -aufzucht betrieben wird. Der Rinderbestand belief sich auf 15.000 Tiere. Über einen Zeitraum von 10 Jahren wurden sogar über 30.000 Rinder im Betrieb gehalten, sie schafften so die finanzielle Basis für die Pferdezucht.

Durch die internationale Bekanntheit des VEGut Tierzucht „Lewitz“ Neustadt-Glewe vorzugsweise durch den Export von vielen tausend tragenden Jungrindern in alle Welt, haben die Lewitzschecken auch den Weg nach Estland, Polen, Tschechische Republik, Belgien und die BRD gefunden.

Der Hengst Salto B 385 wurde vom weltbekannten Gestüt Kladruby gekauft.

Die Schecken selbst waren sportlich in Polen und der Tschechischen Republik mit den Kindern, aber auch im aktiven Fahrsport wirksam. In Breda (Holland) machte ein Lewitzschecken-Viererzug auf sich aufmerksam.

Die züchterische Zielstellung kann so beschrieben werden.

Allgemeine Leistungen
Konstitutionsstark, hohes Regenerationsvermögen, anspruchslos bezüglich Haltung und Futterverbrauch, ausgeglichenes Temperament bei ausgesprochen gutartigem Charakter, hohe Fruchtbarkeit.

Spezielle Leistungen
Hervorragende Eignung als Kinder-, Reit- und Wagenpferd, große Gelehrigkeit bei Anforderungen im Spiel, Sport und bei der Arbeitsleistung, fördernder elastischer Bewegungsablauf in allen Grundgangarten.

Exterieur
Kleiner, trockener, ausdrucksvoller Kopf, leicht in einen gut gebogenen Reithals übergehend. Langer ausgeprägter Widerrist, gut bemuskelte Schulter, geschlossene Mittelhand und lange, mäßig geneigte Kruppe. Trockenes dem Rumpf angepaßtes kräftiges Fundament mit guten Gelenken und korrekter Stellung.

Maße
WH 130 – 148 cm
RL 102% der WH
RU 16 – 18

Leistungsprüfung
300 m im Schritt vor der Schleppe, 80 kp
1000 m im Trab unter dem Reiter, Zeit 210 s Tritte 80/100 m
500m im Galopp unter dem Reiter, Zeit 60 s Galoppsprünge
500 m Schritt 27/100 unter dem Reiter, Zeit 300 s Schritte 120/100

Auszug: Betriebsstammbuch für Kleinpferde 1983 nach Schwark „In diese nur in wenigen Sätzen skizzierte Entwicklung eingeordnet, nimmt die Zucht der Kleinpferde im VEG Lewitz eine besondere Stellung ein. Mit Liebe, Können und Passion wird hier seit 1971 die Kleinpferdezucht betrieben. Ausdruck der besonderen Qualität ist der Einfluß von Zuchtmaterial aus diesem Betrieb auf andere Zuchten und die anerkennende Bezeichnung „Lewitz-Pony“, „Lewitzer Schecken“ oder auch „Lewitzer“.

Um diesen Stand zu erreichen, waren Zielstrebigkeit und sehr viel Mühe und Aufwand erforderlich, die insbesondere vom Direktor des Volkseigenen Gutes, Ulrich Scharfenorth, getragen wurden. Inzucht und Verwandschaftspaarungen sollen neben der Phänotyp- und Leistungsselektion den erreichten Stand festigen und den Vorlauf zu anderen Zuchten sichern.

Damit erfüllt das VEG (Z) Tierzucht, wenn auch auf einem absoluten Nebenzweig, eine weitere, den volkseigenen Gütern zukommende Aufgabe“.

Von 1976 – 1979 wurde auf Initiative von Prof. Dr. Dr. hc Schwark speziell ein Zuchtbuch für die Kleinpferde geöffnet.

Alle notwendigen Dokumente folgten, so auch das Zuchtziel auf der Basis der erreichten Ergebnisse im Tierzuchtgut „Lewitz“ Neustadt-Glewe.

Die Hengstleistungsprüfungen für Kleinpferde in Börnchen (Sachsen), organisiert und durchgeführt von Prof. Dr. Dr. hc Schwark, brachten für die Lewitzschecken, besonders bei den Verhaltensbewertungen, hohe Noten. Auch in der Gesamtwertung belegten die 14 Lewitzer unter 43 Probanden vordere Plätze. Ergebnisse auf den Seiten 14 und 15.

Eine strenge Selektion sowohl bei Charaktereigenschaften als auch bei der Scheckvererbung brachten die Lewitzscheckenzucht weiter voran.

1976 war eine Körung der Kleinpferde wieder möglich. Der Hengst Salto B 385 II a und Poncho 387 I b waren das Ergebnis in Rostock. Salto wurde an der Stute Resi V 45/77 angepaart. Hieraus fielen von 1974 bis 1984 8 Hengstfohlen Satan I – VIII. 5 Junghengste wurde gekört 4 x II a und I x I b, und zwar der Hengst Satan V KL 62, der 13 Jahre Zuchteinsatz in Breitenrode (Sachsen-Anhalt) bei Elli Reimann nachweisen kann.

Ein weiterer sehr erfolgreicher Sohn war Satan II B 409, bei Dorothea Schörfke in Klein Warnow, Prignitz.

Der Hengst Poncho B 387 wurde an die Stute Rosi 49/77, vielen Züchtern als ein ausgesprochenes Leistungspferd bekannt, angepaart. Aus dieser Verpaarung fielen 7 Stutfohlen Poesie I – VII. Ein Produkt dieser Anpaarung ist auch der Hengst Passat B 443. Sein Einsatz erfolgte bei Heinz Kreska in Stavenhagen/Meckl. und steht heute beim Lewitzschecken-Vereinsmitglied Birgit Gerigk in Karstädt, Prignitz.

Nach dem Motto, Bewährtes muß wiederholt werden, eine Maxime auch in der Lewitz, wurde Poncho B 387 auch an Soligirl 3/77, eine Vollschwester von Salto B 385, angepaart. 5 Töchter, Ponchogirl I – V, waren die weibliche wertvolle Nachzucht und der bedeutende Hengst Pinto B 23 (2. Platz nach Poncho im Leistungsvergleich der 43 geprüften Probanden bei Prof. Schwark). Dieser Hengst steht seit 1981 im Gestüt W. Forst in Nordhausen, Thüringen, und hat sich im derzeitigen Zuchtbestand von 14 Lewitzern eindrucksvoll vererbt. Sein Nachkomme Goloby läßt noch größere Hoffnungen keimen.

Nach einem vergleichbaren Kampf um die Anerkennung der Lewitzschecken Anfang der 70er Jahre wiederholte sich diese Tatsache Anfang der 90er Jahre. Das „Aus“ war wieder programmiert. Bei den ersten FN-Tagungen nach der Wiedervereinigung gab es von dort eine negative Einstellung zur Rasse der Lewitzer, dieses setzte sich in Beratungen der Arbeitsgemeinschaft der Ponyzucht-Verbände fort.

Viele Diskussionen und hartnäckiges Ringen des stellvertretenden Vorsitzenden im 1990 gegründeten Lewitzschecken-Vereins, W. Forst, Nordhausen, mit der FN über einen Zeitraum von mehreren Jahren führten schließlich zum Erfolg. Seine Bemühungen wurden in der Folge durch den Mecklenburg-Vorpommerschen Verband unterstützt. Jürgen Harnack, Präsident und Uwe Witt, Zuchtleiter vertraten die Züchterschaft der Mecklenburger Lewitzschecken-Halter. Die derzeitige Situation besteht darin, daß der Pferdezuchtverband Mecklenburg-Vorpommern das Mutterstutbuch führt und die Lewitzscheckenzucht seit 1994 wieder aktiv unterstützt. In einigen Landesverbänden werden die Lewitzschecken als Kleinpferderasse züchterisch geführt. Der Deutsche Pinto-Zuchtverband führt die Lewitzschecken als Sektion Pinto Lewitzer. Als Pinto Lewitzer werden deklariert:

Hengste und Stuten, die in Mecklenburg-Vorpommern ihre Ausgangsbasis haben, und Abstammungsnachweise der Zuchtleitungen Rostock und Schwerin, Pferdezuchtdirektion Nord Redefin, 1945 bis 1990, des Verbandes der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern und weiterer Verbände der ostdeutschen Bundesländer ab 1.1.1991 und ab 1.1.1994 aller Verbände haben. Die Verbände deklarieren in den Abstammungsnachweisen mit dem Zusatz „Lewitzschecke“ alle Schecken mit Lewitzer Blutanteil, die das Zuchtziel erfüllen.

Das Zuchtbuch ist offen.

Passende Fremdblutanteile werden akzeptiert und über zwei Generationen geduldet. Danach muß mit einem original Lewitzer angepaart werden.

Der Mecklenburg-Verband hat den Lewitzschecken-Verein als Anschlußverein anerkannt. Im Lewitzschecken-Verein sind auch Mitglieder anderer Bundesländer und Ausländer vertreten. In der derzeit gültigen Satzung ist der Rahmen abgesteckt.

Nachfolgend ein Auszug:
Der Zuchtverein dient der gezielten Zucht der Lewitzschecken. Das Ziel ist die Zucht von Plattenschecken aller Farben mit besten Charaktereigenschaften, die vielseitig für Kinder und Erwachsene nutzbar sind.

Lewitzschecken sind:

  • Hengste und Stuten, die diese Population begründeten.

 

Als Lewitzschecken können anerkannt werden:

  • Nachkommen der Begründerhengste und Stuten, die das Zuchtziel erfüllen und positiv beeinflussen (130 – 148 cm angestrebte Größe).

 

Lewitzschecken können sein:

  • Hengste, die zur Verbesserung der Entwicklung der Lewitzscheckenzucht eingesetzt werden und besonders hohe Anforderungen erfüllen. Dabei sind ausschließlich Plattenschecken jeder Genealogie mit einer Widerristhöhe bis 155 cm zugelassen.

 

Referenz:
Als Ausdruck guter über 13 Jahre bestehender freundschaftlicher Beziehungen zwischen dem VEG (Z) Tierzucht „Lewitz“ Neustadt-Glewe und dem Mustersowchos Technikum „Juri Gagarin“ Viliandi „Estnische Sowjetrepublik“ wurden den Kindern zwei Kleinpferde als Geschenk übergeben. Dazu folgende Information aus der UdSSR

viliandi urss 175/152 31 1825 page 1/49 20997
veg z tierzucht lewitzer
2808 neustadt-glewe
mit eine grosse freude koennen wir ihnen mitteilen dass heute am 31 mai 1984 erreichten die ponys jasper und junker unser sowchos wir bedanken euch und eurem lewitzer kollektiv für diesen schoenen und eigenartigen geschenk welches uns und unseren kindern viel freude machen wird am 1 juni am internationalen tag des kindes findet in unserem sowchos eine grossveranstaltung statt
jasper und junker werden feierlich dem kindertagesheim viiratsi uebergeben diese zeremonie am allen leuten des estnischen ssr per rundfunk und fernsehen als ein beispiel fuer die internationale freunschaft und solidaritaet zwischen kindern aller laender uebertragen.
Gleichzeitig wünschen wir an dem kollektiv lewitz viel glueck zum internationalen tag des kindes und euren kindern froehliche kindheit
gez. Unterschriften
Mustersowchos „Juri Gagarin“, Viliandi ESSR

 

Die Aussage von Josef Nims, Kladruby, CSSR, erfolgreicher Viererzugführer und Teilnehmer an Weltmeisterschaften:
„Das Haupt sind die Pferde, unsere Hengste die Krone, und der Brilliant ist der Salto“

Informationen aus der Partnerbetrieb Viliandi, ESSR
„Dabei möchte ich nochmal betonen, wie stolz wir über die zwei Kleinpferde sind, die jetzt schon im Leben unserer Kinder einen festen Platz besitzen und bei den Reitsportlervorbereitungen schon seine Mithilfe leisten.“

25 Jahre Lewitzscheckenzucht Des Zuchtvereins Lewitzschecken